24h: Drei Jahrzehnte 24 Stunden Nürburgring Teil 1
Der AMG-Mercedes beim 24h-Rennen 1972
Wir schreiben das Jahr 1967. Der Motorsportclub Langenfeld hat sich unter der Führung von Otto-Paul Rutat zu einem der leistungsfähigsten Clubs in Deutschland entwickelt. Langstreckenwettbewerbe sind in, und so wird die Idee einer Dauerprüfung in die Tat umgesetzt. Arbeitstitel: 24 Stunden Nürburgring. Der legendäre Kurs ist für die Ausrichtung geradezu prädestiniert. Anfangs ist es kein echtes Rennen, vielmehr eine Leistungsprüfung mit Renncharakter, ein Probegalopp für größere Aufgaben.
Bis der Schritt zu einem richtigen Rennen gewagt wird, vergehen noch einmal drei Jahre. Die Geburtsstunde des Eifel-Marathons ist 1970, als die Veranstaltung erstmals für Gruppe-2-Tourenwagen ausgeschrieben wird. Für den rührigen MSC Langenfeld ist dieses Experiment aus finanzieller Sicht aber kaum kalkulierbar. Was liegt also näher, als sich einen starken Partner ins Boot zu nehmen. Paul-Otto Rutat gelingt es Kurt Bosch, den Sportleiter des ADAC Nordrhein, zu begeistern. Die Pioniere haben mit ihrer Entscheidung ins Schwarze getroffen - das Kooperationsprojekt lässt sich bereits im Premierenjahr gut an. Über neunzig Fahrzeuge stellen sich der Herausforderung.
Und raten Sie mal, wer sich als Erster in die Siegerliste einträgt? Ein 19 Jahre alter Bayer namens Hans-Joachim Stuck. Partner des über 1,90 Meter großen Gaudiburschen ist der Rheinländer Clemens Schickentanz. Das Auto: ein BMW 2002ti.
Doch zu einer Zeit, da die Nordschleife Schauplatz praktisch aller Motorsport-Disziplinen ist und ein neuer Grand-Prix-Kurs allenfalls in den Köpfen einiger weniger, kühner Planer existiert, sind die 24 Stunden nichts Außergewöhnliches. Lediglich rund 20.000 Besucher pilgern alljährlich an den über 22 Kilometer langen Kurs.
BMW kontra Porsche und Ford heißt das Duell der 70er Jahre. Mit 4 : 3 haben die Bayern im Prestigekampf die Nase vor den Schwaben. Die weiß blauen Racer sind in den ersten Jahren dominant. So auch 1973, als ein gewisser Niki Lauda gemeinsam mit dem Kölner Hans-Peter Joisten dem Rennen seinen Stempel aufdrückt. Der Vorsprung des BMW Alpina 3,3 CSi ist zeitweilig so groß, dass Teamchef Burkhard Bovensiepen ernsthaft erwägt, das Auto eine Runde vor Rennende an der Box waschen zu lassen. Das unterbleibt natürlich, weil Lauda Bedenken hat: „Jo wos is, wann er dann nimmer anspringt ...?“
3 x 8 = 24
Ein Novum in der Geschichte des Eifel-Marathons ist die 73er Auflage. Es wird nicht 24 Stunden lang gefahren, sondern zweimal acht Stunden. Dazwischen gibt es eine Reparaturpause von acht Stunden. War´s das schon mit den 24-Stunden Nordschleife? Nicht zuletzt die Energiekrise Ende 1973 / Anfang 1974 zwingt die Macher zum Umdenken. Langstreckenrennen werden von Kritikern „als Energieverschwendung“ infrage gestellt. Hinzu kommt, dass wirtschaftliche Überlegungen den MSC Langenfeld sowie den ADAC Nordrhein als Ausrichter vor große Probleme stellen. 1974 und 1975 werden zu einer Denkpause - es findet kein 24 Stunden-Rennen statt.
Und hätte damals nicht ein im Motorsport überaus stark engagierter und zukunftsausgerichteter Mann mit seinen Freunden für die nötige Lobby gesorgt, dann hätte es auch 1976 keine Neuauflage gegeben. Peter Geishecker ist es unter anderem zu verdanken, dass es weiter geht. Aber es wird ihm nicht immer leicht gemacht. Die Abstimmung im Sportausschuss des ADAC Nordrhein für die Fortführung des Rennens über die volle Distanz fällt denkbar knapp aus. Die Skeptiker haben das Nachsehen – mit einer einzigen Stimme!
Der Steuermann gibt das Ruder ab
Fortan hat Geishecker die Zügel in der Hand. Er gehört zu den Motorsport-Funktionären, die ihr Amt im Management-Stil ausüben. Fast zwei Jahrzehnte ist er der Steuermann, bis 1996 Hans Schnock diese Funktion übernimmt. Geishecker zieht sich aber keinesfalls aufs Altenteil zurück, sondern leitet seit dieser Zeit die Gesamtorganisation.
Mit dem Neuanfang 1976 gerät auch die Gruppe-2 ins abseits. Priorität haben die Serienfahrzeuge der Gruppe 1 (Tourenwagen) und Gruppe 3 (GT-Wagen). Es beginnt eine Porsche-Ära. Dreimal in Folge sind die Carreras aus der Stuttgarter Sportwagenschmiede siegreich – am Steuer jedes Mal der Mann mit dem schwarzen Hut, der Pfaffenhoffener Brauerei-Besitzer Fritz Müller. Die Überlegenheit der Gruppe-3-Mobile sorgt insbesondere bei den Breitsportlern für Unmut. Die Tourenwagenspezis fühlen sich benachteiligt, denn gegenüber den bärenstarken GT-Fahrzeugen können sie sich schlecht behaupten. Die einseitige Show reißt zudem die Zuschauer nicht vom Hocker.
Es heißt also nochmals Umdenken und zwar in Richtung Breitensport, dem Ursprungsgedanken des Abenteuers 24 Stunden Nordschleife. Die seriennahen Gruppe-1-Tourenwagen haben 1979 und ´80 das Sagen. 107 Starter bestätigten die Organisatoren in ihrer Entscheidung. Vier Jahre lang bestimmt Ford die Szene. Zweimal in Folge brillieren Escort (Gruppe 1) und Capri (Gruppe A).