Siebdruck
Beim Siebdruck, früher auch „Serigraphie“ genannt, wird die Druckfarbe mit einem speziellen Werkzeug, der Gummirakel, mit Hilfe eines Siebes auf die gewünschten Materialien aufgetragen. Dabei wird das Sieb mit einem meist textilen Gewebe über einen Rahmen gespannt. So bleibt die Druckform, das Sieb, an den bedruckten Stellen farbdurchlässig. Dagegen werden die Stellen, die nicht bedruckt werden sollen, mit Schablonen bedeckt.
Die Materialien, die beim Siebdruck bedruckt werden, können unterschiedlich sein. Es können Folien, Glas, Kunststoff, Keramik, Holz oder Metall sein. Bedingt durch die unterschiedlichen Gewebestrukturen des Stoffes, der über den Rahmen gespannt wird, kann der Farbauftrag beim Siebdruck variiert werden. Er kann pastos, also stärker und auch feiner auftragen werden. Der Siebdruck ermöglicht so eine gute Farbqualität. Man kann mit Hilfe entsprechend großer Rahmen auch große Formate bedrucken. Dabei ist der Siebdruck recht günstig in der Herstellung. Deshalb verwenden viele moderne Künstler, beispielsweise in der Popart, wie Roy Liechtenstein, Andy Warhol, Robert Rauschenberg und viele andere diese Technik. Ursprünglich ist die Technik des Siebdruckes uralt und wurde schon bei den Höhlenmalereien verwendet. In China und Japan wurde der Siebdruck bei der Stoffherstellung eingesetzt. Später, etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, begannen Engländer und Franzosen Holzrahmen mit Seide zu bespannen und mit Hilfe von imprägnierten Papierschablonen zu bedrucken. Zunächst wurden nur Stoffe und Schilder bedruckt. Dann wurde der Siebdruck auch immer öfter in graphischen Bereichen verwendet. Heute ist er aus dem künstlerischen Bereich, aber auch aus der industriellen Produktion nicht mehr wegzudenken. Heutzutage gibt es beim Siebdruck unterschiedliche Verfahren. Als Materialien für die Rahmenbespannung gibt es keine Seide mehr, sondern Polyester, Nylon und Polyamid. Polyester hat den Vorteil, dass er stark gespannt werden kann und keine Feuchtigkeit aufnimmt. Aufgrund dieser Eigenschaften ist ein genaues Druckergebnis möglich. Nylon und Polyamid ist dehnbarer und elastischer und deswegen zum Spannen und Bedrucken weniger geeignet. Auch Stahlgewebe finden heute Verwendung, da sie gut zu spannen sind und sich nicht verziehen. Sie ermöglichen einen stärkeren Farbauftrag und den Druck auch feinster Linien. In maschinellen Bereichen kann man beim Siebdruck auch sogenannte Rotamesh-Platten einsetzen, die es in unterschiedlicher Lochfeinheit gibt.
Die Textilindustrie verwendet beim Siebdruck unterschiedliche Gewebefäden. Diese können „monofil“, d.h. einfaserig, also nicht gesponnen, oder „mulitfil“, d.h. mehrfaserig gesponnen sein. Beim Siebdruck ist die Wahl der Gewebefeinheit abhängig von der Art des zu bedruckenden Stoffes, der Feinheit des Druckmotivs und der Stärke des Farbauftrags. Es werden Feinheiten von 5 bis 200 Fäden pro Zentimeter angeboten. Im künstlerischen und experimentellen Bereich sind inzwischen viele neuartige Verfahren entwickelt worden. So werden heute beispielsweise mit Hilfe von fotochemischer Behandlung Druckformen hergestellt. Bei diesem Druckauftrag wird die Farbe durch das Sieb der Druckform gedrückt. Bei der Anfertigung der Druckform wird das Siebgewebe durch fotochemische Behandlung wie bei der Fototechnik hergestellt. Das Sieb wird mit einer lichtempfindlichen Emulsion bestrichen und getrocknet. Mit UV-Licht wird durch ein Positiv das Sieb bestrahlt, so dass durch Auswaschen das Motiv im Sieb durchlässig wird. Durch das Drucken transparenter Farbschichten übereinander können mit 6 Druckfarben bis zu 63 verschieden Farbtöne erzielt werden. Für einen Mehrfarbdruck müssen weitere Siebdruckformen hergestellt werden, da pro Sieb nur eine Farbe verarbeitet wird. Als Druckfarbe wurden in früheren Zeiten Ölfarben verwendet. Heute nimmt man vorwiegend wasserlösliche Farben, die auch für den Drucker eine Reduzierung der freiwerdenden Lösemittel bedeutet.
