Detektive
Wirklichkeit und Film. Ein oft wirklich strapaziertes Thema, dass den Stoff zum Klischee hat, ist der, vorzugsweise englische oder amerikanische, Detektiv, der gezeigt wird in seinem ungewöhnlichen Alltagstrott. Er schlüpfte aus dem Regenwetter-Mantel ins Hawaii-Hemd. Von dort in die abgenutzte Lederjacke, die so manche Todesnäheerfahrung mitgemacht hat und wieder zurück. Geschlafen wurde nie, ein Mann (seltener eine Frau), für diesen Job geboren. Was ist wahr, was ist echt?
Wenn man an Detektive denkt, dann befallen einen oft die wildesten Fantasien: beige Trenchcoats, Pfeifen, Schlapphüte und karierte Mützen, Verfolgungsjagden mit blutrünstigen Verbrechern, genauso schöne wie geheimnisvolle Frauen, die sich bedroht fühlen und die es zu beschützen gilt, oder, weniger spektakulär : die Fielmann-Werbung. Wenn man Detektiv hört, liegt vernebelte Mystik in der Luft; Einzelgängertum und Tristesse. Während jedoch der Detektiv im Film meist in seinem heruntergekommenen Büro sitzt, denkt, Pfeife oder Zigarette raucht und Zeitung liest, ist im wahren Leben die Auftragslage bedeutend besser und der Arbeitsplatz moderner. Und auch Kommunikation wird in der Wirklichkeit groß geschrieben und so löst man oft nicht im Verborgenen mit scheinbar aus der Luft gegriffenen Thesen, wie es der Film zu zeigen liebt, sondern mit der wenig vorsichtigen Methode "Dreistigkeit siegt!" so manchen Fall.
Allerdings ist Vorsicht auch oft nicht von Nöten, denn den wenigsten ist bewusst, wie nüchtern und alltäglich dieser Beruf eigentlich sein kann. Gut vertuschte Morde und turbulente Attentate à la Sherlock Holmes machen der wahren Tristesse des Alltags Platz: Ehebruch, Familienstreitigkeiten, Unterhalts- und Erbschaftsangelegenheiten. Die Palette der zu erledigenden Aufgaben ist oft eintönig und langweilig. Die meisten Fälle, die eine Detektei zu bearbeiten hat, sind einfache Beschattungen, die meist dazu dienen, einen Ehebrecher dingfest zu machen, und/oder die finanzielle Lage des Mandanten (weiter) zu verbessern. So ist oft das Geld, manchmal eine Liebe, aber selten ein Leben in Gefahr. Auch Fälle von Firmenbetrug, bei denen es nachzuweisen gilt, ob Gelder oder Güter widerrechtlich abgeführt und unterschlagen wurden, zählen zu den Aufgaben eines Detektivs. Diese Arbeit kommt in manchen Fällen der eines Spions schon recht nahe. So kommt es vor, dass ein Arbeitgeber einen Detektiv als scheinbaren Angestellten in sein Unternehmen schleust und dieser geforderte Informationen liefert. Um Geschehenes zu beweisen, benutzt auch der "echte" Detektiv eine Kamera, seit Miss Marple&Co. hinzugekommen sind außerdem digitale Aufnahmegeräte, Nachtsichtferngläser, Wanzen (nicht die Tiere!) und und und.
Immer, wenn ein objektiver Berichterstatter mit guter Ausrüstung, ein erfahrener Schnüffler oder einfach ein "Unbekannter" gebraucht wird, ist der Detektiv vonnöten.
Es ergibt sich also, dass Detektive einen festen Platz in der Aufklärung von Familien- und Firmenangelegenheiten haben, da der Auftraggeber das selten selbst erledigen kann oder will, weil er entweder die nötigen Informationen nicht erhalten würde und/oder sein Gesicht wahren muss. Für die Bearbeitung von echten Mordfällen ist allerdings, zumindest in Deutschland, meist die Polizei zuständig.
Die Berufschancen für Detektive sind nicht wirklich schlecht, die Bezahlung hingegen oft schon. Auch hier läuft es etwas anders als im Film. Während "Magnum" ein großes Anwesen auf Hawaii bewohnt und "Miss Marple" eigentlich nur Hobbydetektivin ist und lange ausgesorgt hat, müssen Detektive hierzulande wirklich schuften. Manche Nacht gilt es sich im (kalten) Auto um die Ohren zu schlagen um eventuell Fotos des Liebhabers zu schießen. Dafür gibt's nicht selten wenig. Die Anerkennung eines "Magnum" oder "Sherlock Holmes" erhalten leider auch die besten Detektive nicht. Weil oft der Überbringer schlechter Nachrichten, wird man auch nicht als Held gefeiert.
Wer sich trotz alledem entscheidet, Detektiv zu werden, muss von originellem Charakter sein. Es sollte ihn daher auch nicht überraschen, dass er, um sein Ziel zu erreichen, keine konventionelle Ausbildung absolvieren kann. Zwar gibt es diverse Detektivschulen. Dort lernt man die Basics. Für alles andere muss man offensichtlich geboren sein. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass auch im echten Leben gilt: Die Faszination für die Schnüffler bleibt.
